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Diese breite Palette land- und forstwirtschaftlicher Reststoffe sowie die Möglichkeit, ganze Pflanzen zu nutzen, eröffnen ein Mengenpotenzial weit über dem der Biokraftstoffe der ersten Generation, Biodiesel und Bioethanol. Nach Angaben der FNR könnten die mit bioliq® erzeugten Kraftstoffe bis 2015 schon 15 Prozent des Bedarfs für den Verkehr in Deutschland gedeckt werden. Dabei besteht keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Durch eine entsprechende Synthese lassen sich BtL-Kraftstoffe leicht an jetzige und künftige Emissionsstandards und Motorentechniken anpassen. Allerdings haben die genannten organischen Einsatzstoffe sehr geringe Energiedichten und können deshalb wirtschaftlich nur über kurze Distanzen transportiert werden. Daher wird zunächst in dezentralen Anlagen, zu denen die Erzeuger rund 25 Kilometer fahren müssen, ein Zwischenprodukt höherer Energiedichte erzeugt, das anschließend über größere Strecken zu zentralen Großanlagen transportiert wird. Der dezentrale Prozess besteht in einer Schnellpyrolyse: Bei 500 Grad Celsius werden in einem Doppelschnecken-Mischreaktor aus Biomasse Pyrolyseöl und Pyrolysekoks erzeugt. Diese werden zu einer flüssigen Suspension (bioliqSynCrude®) gemischt, deren Energiedichte 13 bis 15 mal über der von Stroh liegt und damit mit der Energiedichte von Rohöl vergleichbar ist.
In einer zentralen Anlage zur Synthesegas- und Kraftstofferzeugung wird das bioliqSynCrude® auf rund 80 Grad Celsius vorgewärmt, auf Druck gebracht und durch das Vergasungsmedium Sauerstoff in den Flugstromvergaser zerstäubt. Die Umsetzung zu Synthesegas geschieht bei Temperaturen oberhalb von 1400 Grad Celsius und einem Druck von 80 bar. Der bioliq®-Vergaser, der auf der MPG-Vergasungstechnologie (Multi-Purpose-Gasifier) der Lurgi GmbH entwickelt wurde, besitzt einen mit Druckwasser gekühlten, mit Stampfmasse ausgekleideten Kühlschirm, dessen innere Oberfläche durch eine Schlackeschicht vor Korrosion und Erosion geschützt wird. Rohsynthesegas und Schlacke werden unterhalb des Reaktors über eine Quenche abgezogen. Im dritten Schritt wird das unter hohem Druck entstandene Synthesegas über mehrere Prozessschritte gereinigt und der nachgeschalteten Synthesestufe zugeleitet. Eine kostenaufwendige und mit hohen technischen Risiken behaftete Zwischenkompression des Gases erübrigt sich damit. Aus dem Synthesegas lassen sich fast alle wichtigen chemischen Grundstoffe sowie Synthesekraftstoffe erzeugen. Diese Kraftstoffe sind reiner, umweltverträglicher und leistungsstärker als erdölstämmige Kraftstoffe und lassen sich präzise auf Anforderungen der Automobilhersteller und auf die strenger werdenden Abgas-Normen abstimmen.
Die Verarbeitungskosten der Biomasse für den High-Tech-Kraftstoff werden weniger als 50 Eurocent betragen; dazu kommen Kosten für die Biomasse, die derzeit in der gleichen Größenordnung liegen. Damit bliebe der Preis für einen Liter High-Tech-Kraftstoff unter einem Euro.
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